Nach deinem Vermögen gib Almosen; auch wenn du nur wenig hast, scheue dich nicht, wenig Almosen zu geben.  Tobit/Tobias 4,8   Manche   evangelische   Christen   werden   den   aktuellen   Monatsspruch   in   ihrer   Bibelausgabe   vergeblich   suchen, denn   er   entstammt   dem   Buch   Tobit.   Dieses   gehört   zu   den   späten   Schriften   des   Alten   Testaments,   die   Luther bei    seiner    Übersetzung    der    Hebräischen    Bibel    außen    vorließ,    weil    sie    ihm    nur    in    griechischer    Sprache vorlagen.   In   katholischen   Bibelausgaben   hingegen   ist   dieses   Buch   gemeinsam   mit   den   anderen   Spätschriften fester Bestandteil des Alten Testaments. Die    vorliegende    Ermahnung    zum    Almosengeben    gehört    zu    einer    längeren    Unterweisung,    mit    der    der erblindete   Tobit   seinen   Sohn   Tobias   auf   eine   weite   Reise   verabschiedet.   Er   gibt   seinem   Sohn   als   Vermächtnis die   wesentlichen   Regeln   für   ein   Leben   nach   Gottes   Willen   mit   auf   den   Weg,   denn   er   selbst   bereitet   sich   auf den Tod vor. Tobit,   der   selber   viele   Taten   der   Barmherzigkeit   getan   hat,   ermahnt   Tobias   dazu,   den   Bedürftigen   stets   etwas vom   eigenen   Hab   und   Gut   abzugeben,   unabhängig   davon,   ob   ihm   viel   oder   wenig   Vermögen   zur   Verfügung steht.   Entscheidend   ist   für   ihn   offenbar   nicht,   wie   groß   eine   Gabe   ist.   Entscheidend   ist,   dass   die   Armen Unterstützung erfahren. Und von dieser Pflicht sind auch die nicht ausgenommen, die selbst wenig haben. Wenn   heute   Multimilliardäre   wie   Bill   Gates   und   Warren   Buffett   regelmäßig   Milliarden   für   wohltätige   Zwecke spenden,   dann   ist   das   nicht   bedeutsamer   als   das   sprichwörtlich   gewordene   „Scherflein“   der   armen   Witwe,   die Jesus   in   Mk   12,41-44   dafür   lobt,   dass   sie   ihre   letzten   Pfennige   weggibt.   Gott   sieht   alle   gnädig   an,   die   bereit sind,   zu   teilen.   Er   schaut   nicht   darauf,   ob   eine   Gabe   groß   oder   klein   ausfällt,   sondern   darauf,   ob   sie   den Möglichkeiten derer entspricht, die etwas abgeben.  Für    Gerechtigkeit    zu    sorgen    und    solidarisch    die    Bedürftigen    zu    unterstützen,    ist    in    der    Bibel    keine Sonderpflicht   für   die   Reichen.   Das   Wohlergehen   der   Armen   ist   eine   Aufgabe,   der   sich   alle   gemeinsam   zu stellen   haben.   Vor   allem   aber   gilt   dies   für   diejenigen,   die   nach   dem   Willen   Gottes   leben   wollen.   Weil   Gott Gerechtigkeit   und   das   Wohl   der   Armen   als   gesamtgesellschaftliche   Aufgabe   sieht,   sind   Wohlhabende   und Menschen   mit   kleinem   Geldbeutel   gemeinsam   herausgefordert.   Niemand   muss   sich   schämen,   weil   er   nur wenig   geben   kann.   Aber   es   ist   auch   niemand   davon   ausgenommen,   sich   die   Frage   zu   stellen,   welches Engagement   zur   Armutsüberwindung   angesichts   der   eigenen   Lebenssituation   eigentlich   angemessen   wäre, und dann danach zu handeln. Autor:  Prof. Dr. Ralf Dziewas
111 Jahre Leben finden - Gemeinschaft erfahren
Nach deinem Vermögen gib Almosen; auch wenn du nur wenig hast, scheue dich nicht, wenig Almosen zu geben.  Tobit/Tobias 4,8   Manche   evangelische   Christen   werden   den   aktuellen   Monatsspruch   in ihrer   Bibelausgabe   vergeblich   suchen,   denn   er   entstammt   dem   Buch Tobit.   Dieses   gehört   zu   den   späten   Schriften   des   Alten   Testaments,   die Luther   bei   seiner   Übersetzung   der   Hebräischen   Bibel   außen   vorließ,   weil sie     ihm     nur     in     griechischer     Sprache     vorlagen.     In     katholischen Bibelausgaben   hingegen   ist   dieses   Buch   gemeinsam   mit   den   anderen Spätschriften fester Bestandteil des Alten Testaments. Die    vorliegende    Ermahnung    zum    Almosengeben    gehört    zu    einer längeren   Unterweisung,   mit   der   der   erblindete   Tobit   seinen   Sohn   Tobias auf     eine     weite     Reise     verabschiedet.     Er     gibt     seinem     Sohn     als Vermächtnis   die   wesentlichen   Regeln   für   ein   Leben   nach   Gottes   Willen mit auf den Weg, denn er selbst bereitet sich auf den Tod vor. Tobit,    der    selber    viele    Taten    der    Barmherzigkeit    getan    hat,    ermahnt Tobias   dazu,   den   Bedürftigen   stets   etwas   vom   eigenen   Hab   und   Gut abzugeben,   unabhängig   davon,   ob   ihm   viel   oder   wenig   Vermögen   zur Verfügung   steht.   Entscheidend   ist   für   ihn   offenbar   nicht,   wie   groß   eine Gabe   ist.   Entscheidend   ist,   dass   die Armen   Unterstützung   erfahren.   Und von   dieser   Pflicht   sind   auch   die   nicht   ausgenommen,   die   selbst   wenig haben. Wenn     heute     Multimilliardäre     wie     Bill     Gates     und     Warren     Buffett regelmäßig   Milliarden   für   wohltätige   Zwecke   spenden,   dann   ist   das   nicht bedeutsamer   als   das   sprichwörtlich   gewordene   „Scherflein“   der   armen Witwe,    die    Jesus    in    Mk    12,41-44    dafür    lobt,    dass    sie    ihre    letzten Pfennige   weggibt.   Gott   sieht   alle   gnädig   an,   die   bereit   sind,   zu   teilen.   Er schaut   nicht   darauf,   ob   eine   Gabe   groß   oder   klein   ausfällt,   sondern darauf, ob sie den Möglichkeiten derer entspricht, die etwas abgeben.  Für     Gerechtigkeit     zu     sorgen     und     solidarisch     die     Bedürftigen     zu unterstützen,   ist   in   der   Bibel   keine   Sonderpflicht   für   die   Reichen.   Das Wohlergehen   der   Armen   ist   eine   Aufgabe,   der   sich   alle   gemeinsam   zu stellen   haben.   Vor   allem   aber   gilt   dies   für   diejenigen,   die   nach   dem Willen   Gottes   leben   wollen.   Weil   Gott   Gerechtigkeit   und   das   Wohl   der Armen   als   gesamtgesellschaftliche   Aufgabe   sieht,   sind   Wohlhabende und    Menschen    mit    kleinem    Geldbeutel    gemeinsam    herausgefordert. Niemand   muss   sich   schämen,   weil   er   nur   wenig   geben   kann. Aber   es   ist auch   niemand   davon   ausgenommen,   sich   die   Frage   zu   stellen,   welches Engagement      zur      Armutsüberwindung      angesichts      der      eigenen Lebenssituation    eigentlich    angemessen    wäre,    und    dann    danach    zu handeln. Autor:  Prof. Dr. Ralf Dziewas
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