Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Apostelgeschichte 5, 29   In   den   Lutherbibeln   ist   dieser   Satz   fett   gedruckt.   Das   signalisiert:   Achtung!   Hier   haben   wir   eine   biblische Kernstelle   vor   uns.   Merke   sie   dir   gut.   Gegen   ein   solches   Verfahren   ist   nichts   einzuwenden.   Jedenfalls dann   nicht,   wenn   man   diese   Sätze   nicht   aus   dem   Zusammenhang   reißt.   Bloße   Schriftzitate,   aus   dem Kontext    der    biblischen    Überlieferung    herausgerissen,    sind    immer    gefährlich.    Damit    kann    man    zum Fanatiker   werden   oder   zur   Fanatikerin,   von   Schlimmerem   ganz   zu   schweigen.   Lassen   wir   uns   also   vom Fettdruck dazu anregen, genau hinzuschauen.  Es   handelt   sich   hier   um   ein   Bekenntnis   der Apostel,   die   man   mit   Predigt-und   Lehrverbot   belegt   hatte.   Ihr Bekenntnisvor    der    höchsten    Ratsversammlung    in    Jerusalem    lautet    kurzgefasst:    Wir    gehören    und gehorchendem,   der   Gottes   Liebe   und   Gottes   Gnade   in   Person   ist.   Und   weil   diese   Liebe   und   Gnade Gottes   allen   Menschen   gilt,   darum   können   wir   davon   nicht   schweigen.   Damit   ist   der   innerste   Kern   dessen genannt, was Gehorsam gegenüber Gott meint: In Freiheit zu dem gehören zu wollen, der nicht will, dass Menschen   verloren   gehen   in   Selbstzerstörung,   Lieblosigkeit,   Hass,   Gewalt,   Einsamkeit   und   Mutlosigkeit. Und   darum   von   diesem   liebevollen,   starken   Gott   zu   reden   und   sich   davon   nicht   abbringen   zu   lassen. Dass   dieses   Reden   auf   Widerstand   stoßen   kann   und   wird,   liegt   auf   der   Hand.   Die   Geschichte   der christlichen   Kirche   ist   voll   von   Beispielen   dafür,   dass   Menschen   mit   ihrem   Bekenntnis   zum   Gott   der   Liebe, der   Gerechtigkeit   und   des   Friedens   auf   Gegenwehr   gestoßen   sind   und   dabei   nicht   selten   sogar   mit   ihrem Leben   bezahlt   haben.   Und   die   Geschichte   der   christlichen   Kirche   ist   auch   eine   Geschichte   vieler,   allzu vieler    Versäumnisse,    dieses    Bekenntnis    klar    und    deutlich    auszusprechen    –    Gott    sei’s    geklagt.    Der Fettdruck hat also seinen guten Sinn. Der   markante   Satz   will   allerdings   noch   einmal   in   anderer   Hinsicht   genau   betrachtet   werden.   Denn   das kleine   Wort   „mehr“,   das   darin   enthalten   ist,   könnte   sonst   leicht   übersehen   werden.   Und   dann   würde   der Satz   weltfremd,   ja   geradezu   ideologisch.   Dass   wir   uns   gehorsam   zu   Gott   bekennen,   schließt   ja   nicht   aus, dass   es   auch   Gehorsam   gegenüber   anderen   Menschen   gibt.   Es   stimmt:   Hier   hat   es   viel   Missbrauch gegeben   durch   Zwang,   Manipulation   und   blinden   Gehorsam.   Und   den   gibt   es   immer   wieder. Aber   es   gibt auch   einen   gesunden   Gehorsam,   der   das   Zusammenleben   fördert,   einen   Gehorsam,   der   Freiheit   und Vertrauen   atmet:   im   Erziehungswesen,   im   Gesundheitswesen,   im   Arbeitsleben,   im   Straßenverkehr,   im Staatswesen.   Niemals   aber   darf   ein   solcher   Gehorsam   mit   göttlichen   Attributen   versehen   werden.   Hier markiert    das    „mehr“    die    Grenze,    die    nicht    überschritten    werden    darf    –    von    denjenigen    nicht,    die Gehorsam fordern, und auch nicht von denen, die Gehorsam leisten. Autor: Prof. Dr. Volker Spangenberg
113 Jahre Leben finden - Gemeinschaft erfahren
Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Apostelgeschichte 5, 29   In    den    Lutherbibeln    ist    dieser    Satz    fett    gedruckt.    Das    signalisiert: Achtung!   Hier   haben   wir   eine   biblische   Kernstelle   vor   uns.   Merke   sie   dir gut.   Gegen   ein   solches   Verfahren   ist   nichts   einzuwenden.   Jedenfalls dann   nicht,   wenn   man   diese   Sätze   nicht   aus   dem   Zusammenhang   reißt. Bloße    Schriftzitate,    aus    dem    Kontext    der    biblischen    Überlieferung herausgerissen,   sind   immer   gefährlich.   Damit   kann   man   zum   Fanatiker werden   oder   zur   Fanatikerin,   von   Schlimmerem   ganz   zu   schweigen. Lassen wir uns also vom Fettdruck dazu anregen, genau hinzuschauen.  Es    handelt    sich    hier    um    ein    Bekenntnis    der    Apostel,    die    man    mit Predigt-und   Lehrverbot   belegt   hatte.   Ihr   Bekenntnisvor   der   höchsten Ratsversammlung   in   Jerusalem   lautet   kurzgefasst:   Wir   gehören   und gehorchendem,   der   Gottes   Liebe   und   Gottes   Gnade   in   Person   ist.   Und weil   diese   Liebe   und   Gnade   Gottes   allen   Menschen   gilt,   darum   können wir   davon   nicht   schweigen.   Damit   ist   der   innerste   Kern   dessen   genannt, was   Gehorsam   gegenüber   Gott   meint:   In   Freiheit   zu   dem   gehören   zu wollen, der nicht will, dass Menschen    verloren    gehen    in    Selbstzerstörung,    Lieblosigkeit,    Hass, Gewalt,     Einsamkeit     und     Mutlosigkeit.     Und     darum     von     diesem liebevollen,   starken   Gott   zu   reden   und   sich   davon   nicht   abbringen   zu lassen.   Dass   dieses   Reden   auf   Widerstand   stoßen   kann   und   wird,   liegt auf    der    Hand.    Die    Geschichte    der    christlichen    Kirche    ist    voll    von Beispielen   dafür,   dass   Menschen   mit   ihrem   Bekenntnis   zum   Gott   der Liebe,   der   Gerechtigkeit   und   des   Friedens   auf   Gegenwehr   gestoßen sind   und   dabei   nicht   selten   sogar   mit   ihrem   Leben   bezahlt   haben.   Und die   Geschichte   der   christlichen   Kirche   ist   auch   eine   Geschichte   vieler, allzu     vieler     Versäumnisse,     dieses     Bekenntnis     klar     und     deutlich auszusprechen   –   Gott   sei’s   geklagt.   Der   Fettdruck   hat   also   seinen   guten Sinn. Der   markante   Satz   will   allerdings   noch   einmal   in   anderer   Hinsicht   genau betrachtet   werden.   Denn   das   kleine   Wort   „mehr“,   das   darin   enthalten   ist, könnte    sonst    leicht    übersehen    werden.    Und    dann    würde    der    Satz weltfremd,   ja   geradezu   ideologisch.   Dass   wir   uns   gehorsam   zu   Gott bekennen,   schließt   ja   nicht   aus,   dass   es   auch   Gehorsam   gegenüber anderen    Menschen    gibt.    Es    stimmt:    Hier    hat    es    viel    Missbrauch gegeben   durch   Zwang,   Manipulation   und   blinden   Gehorsam.   Und   den gibt   es   immer   wieder. Aber   es   gibt   auch   einen   gesunden   Gehorsam,   der das     Zusammenleben     fördert,     einen     Gehorsam,     der     Freiheit     und Vertrauen    atmet:    im    Erziehungswesen,    im    Gesundheitswesen,    im Arbeitsleben,   im   Straßenverkehr,   im   Staatswesen.   Niemals   aber   darf   ein solcher    Gehorsam    mit    göttlichen    Attributen    versehen    werden.    Hier markiert   das   „mehr“   die   Grenze,   die   nicht   überschritten   werden   darf   von   denjenigen   nicht,   die   Gehorsam   fordern,   und   auch   nicht   von   denen, die Gehorsam leisten. Autor: Prof. Dr. Volker Spangenberg
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