Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder. (Sprüche 16, 24)    „Das   geht   runter   wie   Öl“,   sagen   wir,   wenn   wir   ein   Lob   bekommen,   von   dem   wir   vielleicht   selbst   ein   wenig überrascht   sind.   Genau   wie   das   Öl   stand   der   Honig   im   alten   Israel   für   das   Angenehme   und   Wohltuende.   Honig wurde   als   Süßungsmittel   verwendet,   alternativ   nahmen   man   eingedickten   Saft   aus   Datteln.   Das   Bild   vom   Honig verdeutlich,   dass   gute   Worte   nicht   bloß   im   Kopf   ankommen,   sondern   dem   ganzen   Körper   guttun,   genauso   wie böse Worte tatsächlich Schmerz verursachen, so als bekäme man einen „Schlag in die Magengrube“.   Doch   mit   den   „süßen“   Worten   ist   das   so   eine   Sache. Auch   davon   zeugen   Redensarten.   Wer   dem   anderen   „Honig um    den    Bart    schmiert“,    hegt    undurchsichtige    Absichten.    Worte    können    süß    und    angenehm    sein,    aber    im Nachhinein   „bitter   aufstoßen“,   wenn   sich   herausstellt,   dass   man   enttäuscht   wurde   (siehe   Sprüche   5,3-6).   Das Süße ist also nicht immer gleich gut, es braucht Kriterien, um gute von schlechter Süße unterscheiden zu können. Den   passenden   Maßstab   finden   die   biblischen   Schreiber   in   der   göttlichen,   und   daher   vollkommenen   Tora.   Ihre Worte   sind   sogar   noch   süßer   als   Honig   (Psalm   19,11),   praktisch   sind   sie   der   Inbegriff   von   Süße.   Wer   die   Tora studiert,   lernt   also   auf   angenehme   Weise   das   Gute.   Bibellesen   finden   wir   allerdings   teilweise   sehr   mühsam   und anstrengend.   Vieles   –   in   den   Gesetzen   oder   prophetischen   Schriften   des   Alten   Testaments   –   rutscht   uns   nicht   so „glatt“   die   Kehle   herunter.   Doch   sollten   wir   nicht   zu   schnell   aufgeben,   denn   der   Geschmack   kommt   bekanntlich beim   Essen.   Der   Prophet   Ezechiel   wird   von   einer   göttlichen   Gestalt   aufgefordert,   eine   Schriftrolle   zu   essen,   die lauter Anklagen   an   das   Haus   Israel   enthält   (Ezechiel   2,9-3,1).   Doch   während   des   Essens   werden   dem   Propheten die bitter erscheinenden Worte im Mund „süß wie Honig“ (3,2-3).  Bibellesen   kann   also   das   Leben   verändern.   Es   zeigt,   dass   es   darauf   ankommt,   zu   unterscheiden,   wann   man   wem etwas   Bestimmtes   sagt   und   wie.   Sei   es   ein   Lob,   oder   auch   mal   eine   Rückmeldung,   die   dem   anderen   im   ersten Moment   nicht   „schmeckt“,   sich   aber   dann   doch   positiv   auf   die   Beziehung   auswirkt,   weil   sie   ehrlich   war.   Dem anderen   etwas   zumuten,   aber   so,   dass   er   oder   sie   es   für   sich   annehmen   kann   –   das   ist   zwar   eine   Kunst,   darauf liegt aber auch eine Verheißung.  Autor: Prof. Dr. Dirk Sager  
111 Jahre Leben finden - Gemeinschaft erfahren
Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder. (Sprüche 16, 24)    „Das   geht   runter   wie   Öl“,   sagen   wir,   wenn   wir   ein   Lob   bekommen,   von dem   wir   vielleicht   selbst   ein   wenig   überrascht   sind.   Genau   wie   das   Öl stand   der   Honig   im   alten   Israel   für   das   Angenehme   und   Wohltuende. Honig    wurde    als    Süßungsmittel    verwendet,    alternativ    nahmen    man eingedickten   Saft   aus   Datteln.   Das   Bild   vom   Honig   verdeutlich,   dass gute   Worte   nicht   bloß   im   Kopf   ankommen,   sondern   dem   ganzen   Körper guttun,   genauso   wie   böse   Worte   tatsächlich   Schmerz   verursachen,   so als bekäme man einen „Schlag in die Magengrube“.   Doch    mit    den    „süßen“    Worten    ist    das    so    eine    Sache.   Auch    davon zeugen   Redensarten.   Wer   dem   anderen   „Honig   um   den   Bart   schmiert“, hegt   undurchsichtige Absichten.   Worte   können   süß   und   angenehm   sein, aber   im   Nachhinein   „bitter   aufstoßen“,   wenn   sich   herausstellt,   dass   man enttäuscht   wurde   (siehe   Sprüche   5,3-6).   Das   Süße   ist   also   nicht   immer gleich     gut,     es     braucht     Kriterien,     um     gute     von     schlechter     Süße unterscheiden zu können. Den    passenden    Maßstab    finden    die    biblischen    Schreiber    in    der göttlichen,   und   daher   vollkommenen   Tora.   Ihre   Worte   sind   sogar   noch süßer   als   Honig   (Psalm   19,11),   praktisch   sind   sie   der   Inbegriff   von   Süße. Wer    die    Tora    studiert,    lernt    also    auf    angenehme    Weise    das    Gute. Bibellesen      finden      wir      allerdings      teilweise      sehr      mühsam      und anstrengend.   Vieles   –   in   den   Gesetzen   oder   prophetischen   Schriften   des Alten   Testaments   –   rutscht   uns   nicht   so   „glatt“   die   Kehle   herunter.   Doch sollten    wir    nicht    zu    schnell    aufgeben,    denn    der    Geschmack    kommt bekanntlich   beim   Essen.   Der   Prophet   Ezechiel   wird   von   einer   göttlichen Gestalt   aufgefordert,   eine   Schriftrolle   zu   essen,   die   lauter   Anklagen   an das   Haus   Israel   enthält   (Ezechiel   2,9-3,1).   Doch   während   des   Essens werden   dem   Propheten   die   bitter   erscheinenden   Worte   im   Mund   „süß wie Honig“ (3,2-3).  Bibellesen   kann   also   das   Leben   verändern.   Es   zeigt,   dass   es   darauf ankommt,   zu   unterscheiden,   wann   man   wem   etwas   Bestimmtes   sagt und   wie.   Sei   es   ein   Lob,   oder   auch   mal   eine   Rückmeldung,   die   dem anderen   im   ersten   Moment   nicht   „schmeckt“,   sich   aber   dann   doch   positiv auf   die   Beziehung   auswirkt,   weil   sie   ehrlich   war.   Dem   anderen   etwas zumuten,   aber   so,   dass   er   oder   sie   es   für   sich   annehmen   kann   –   das   ist zwar eine Kunst, darauf liegt aber auch eine Verheißung.  Autor: Prof. Dr. Dirk Sager  
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