Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen! Sprüche 31, 8   „Mir   fehlen   die   Worte...“.   Solche   oder   ähnliche   Sätze   stammeln   wir,   wenn   wir   hilflos   das   Unglück   anderer mitansehen   müssen.   Es   gibt   eine   angemessene   Sprachlosigkeit,   ein   solidarisches   Schweigen,   das   das Floskelhafte   fürchtet   und   offen   zugibt,   für   das   Unfassbare   keine   Worte   zu   haben.   Es   gibt   aber   auch   das andere   Stummsein,   das   unsolidarische   (Ver-)Schweigen,   wenn   man   aus   Angst,   selbst   zum   Opfer   zu werden   wegschaut.   Oder   wenn   man   eben   aus   sicherer   Distanz   genau   hinschaut,   aber   nichts   sagt,   nicht eingreift   und   so   tut,   als   sei   man   gar   nicht   beteiligt.   So   leicht   es   fällt,   die   „Gaffer“   zu   verurteilen,   so   schwer ist   es   doch,   den   entscheidenden   Augenblick   zu   erkennen,   in   dem   es   darauf   ankommt,   selbst   den   Mund aufzutun. Für   die   Hilflosen   und   Schwachen   einzustehen   war   im   Alten   Israel   wie   im   gesamten   Alten   Orient   ein verbreiteter   Appell.   Götter   (Psalm   82),   Könige   (Psalm   72,1-4)   und   einfache   Bürger   (5.   Mose   15,11;   Hiob 29,12-17)   wurden   dazu   immer   wieder   ermahnt.   In   der   Realität   wurden   die   Armen   jedoch   allzu   oft   sich selbst   überlassen.   Gründe   für   das   Schweigen   fanden   sich   schnell   (siehe   Exodus   4,11).   Nicht   nur   damals, immer   wieder   in   der   Geschichte   und   Gegenwart   gibt   es   zahllose   Beispiele   dafür,   wie   das   Unrecht   unter den Teppich gekehrt wird. Wie    lässt    sich    die    Barriere    des    Schweigens    durchbrechen?    Ein    wichtiger    Aspekt    dabei    ist    sicher Empathie,   die   Fähigkeit   sich   in   die   Lage   des   anderen   hineinzuversetzen.   Wie   es   sich   anfühlt,   von   allen Seiten    eingeschüchtert    zu    werden,    beschreibt    ein    Psalmbeter:„Die    mein    Unheil    suchen,    planten Verderben   und   den   ganzen   Tag   haben   sie   Arglist   im   Sinn.   Ich   bin   wie   ein   Tauber,   der   nicht   hört,   wie   ein Stummer,   der   den   Mund   nicht   auftut“   (Psalm   38,13-14).   Das   Nachbeten   hilft   dabei,   sprachfähig   zu werden. Die   Sicht   der   Gedemütigten   einzunehmen,   sich   für   die   Hilf-und   Sprachlosen   einzusetzen:   das   ist   der   Rat, den   die   weise   Mutter   ihrem   Sohn,   dem   König   Lemuel   von   Massa,   gab.   Diesem   nichtisraelitischen   König ist nämlich der Abschnitt in Sprüche 31,1-8 gewidmet. Mit ihm dürfen wir uns gerne identifizieren. Autor: Prof. Dr. Dirk Sager
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Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen! Sprüche 31, 8   „Mir   fehlen   die   Worte...“.   Solche   oder   ähnliche   Sätze   stammeln   wir, wenn   wir   hilflos   das   Unglück   anderer   mitansehen   müssen.   Es   gibt   eine angemessene   Sprachlosigkeit,   ein   solidarisches   Schweigen,   das   das Floskelhafte   fürchtet   und   offen   zugibt,   für   das   Unfassbare   keine   Worte zu   haben.   Es   gibt   aber   auch   das   andere   Stummsein,   das   unsolidarische (Ver-)Schweigen,   wenn   man   aus   Angst,   selbst   zum   Opfer   zu   werden wegschaut.     Oder     wenn     man     eben     aus     sicherer     Distanz     genau hinschaut,   aber   nichts   sagt,   nicht   eingreift   und   so   tut,   als   sei   man   gar nicht   beteiligt.   So   leicht   es   fällt,   die   „Gaffer“   zu   verurteilen,   so   schwer   ist es   doch,   den   entscheidenden Augenblick   zu   erkennen,   in   dem   es   darauf ankommt, selbst den Mund aufzutun. Für   die   Hilflosen   und   Schwachen   einzustehen   war   im Alten   Israel   wie   im gesamten Alten   Orient   ein   verbreiteter Appell.   Götter   (Psalm   82),   Könige (Psalm   72,1-4)   und   einfache   Bürger   (5.   Mose   15,11;   Hiob   29,12-17) wurden   dazu   immer   wieder   ermahnt.   In   der   Realität   wurden   die   Armen jedoch    allzu    oft    sich    selbst    überlassen.    Gründe    für    das    Schweigen fanden    sich    schnell    (siehe    Exodus    4,11).    Nicht    nur    damals,    immer wieder   in   der   Geschichte   und   Gegenwart   gibt   es   zahllose   Beispiele dafür, wie das Unrecht unter den Teppich gekehrt wird. Wie    lässt    sich    die    Barriere    des    Schweigens    durchbrechen?    Ein wichtiger   Aspekt   dabei   ist   sicher   Empathie,   die   Fähigkeit   sich   in   die Lage   des   anderen   hineinzuversetzen.   Wie   es   sich   anfühlt,   von   allen Seiten   eingeschüchtert   zu   werden,   beschreibt   ein   Psalmbeter:„Die   mein Unheil    suchen,    planten    Verderben    und    den    ganzen    Tag    haben    sie Arglist   im   Sinn.   Ich   bin   wie   ein   Tauber,   der   nicht   hört,   wie   ein   Stummer, der   den   Mund   nicht   auftut“   (Psalm   38,13-14).   Das   Nachbeten   hilft   dabei, sprachfähig zu werden. Die    Sicht    der    Gedemütigten    einzunehmen,    sich    für    die    Hilf-und Sprachlosen   einzusetzen:   das   ist   der   Rat,   den   die   weise   Mutter   ihrem Sohn,   dem   König   Lemuel   von   Massa,   gab.   Diesem   nichtisraelitischen König   ist   nämlich   der   Abschnitt   in   Sprüche   31,1-8   gewidmet.   Mit   ihm dürfen wir uns gerne identifizieren. Autor: Prof. Dr. Dirk Sager
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