Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die
Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib!
(Hebräer 13,3)
Was
ist
die
erste
Reaktion,
wenn
wir
Leid
sehen?
Instinktiv
schauen
wir
weg.
Zumindest
schaue
ich,
wenn
sich
im
Fernsehen
jemand
geschnitten
hat,
meist
erstmal
gegen
die
Wand.
Zu
sehr
fühle
ich
am
eigenen
Leib
den
Schnitt.
Auch
wenn
ich
das
Weltgeschehen
in
den
Nachrichten
verfolge,
dann
nehme
ich
meist
eine
distanzierte
Haltung
ein.
Sich
nicht
im
ganzen
Leid
zu
verlieren,
ist
für
viele
heute
ein
valider
Teil
der
mental
health.
Hebräer
13,3
fordert
scheinbar
das
Gegenteil:
Hinsehen!
Mitfühlen!
Nicht
vor
Leid
zurückschrecken
und
wegblicken!
Wenn
jemand
im
Gefängnis
ist,
dann
nicht
wegschauen,
wenn
jemand
misshandelt wird, bewusst mitfühlen. Dieser Vers solidarisiert sich mit den Leidenden.
Die
Solidarisierung
wird
zum
einen
durch
die
eigene
Verletzlichkeit
als
Ressource
für
Empathie
begründet:
Du
hast
doch
auch
einen
Körper,
du
kannst
doch
nachvollziehen
wie
sich
Verletzte
fühlen!
Das
Denken
an
die
Gefangenen
bindet
dann
die
Lesenden
auf
doppelte
Weise:
Das
griechische
μιμνῄσκομαι
(gr.
für
Denkt!)
meint
soviel,
wie
sich
etwas
vor
Augen
zu
führen
und
in
Erinnerung
zu
rufen.
Es
bleibt
aber
nicht
nur
bei
der
ständigen
Vergegenwärtigung,
sondern
es
soll
an
die
Gefangen
so
gedacht
werden,
als
sei
man
selbst
mitgefangen.
Das
Gefängnis
ist
eine
totale
Institution,
es
ist
unmöglich
zu
vergessen,
wenn
man
im
Gefängnis
ist.
Somit
bindet
der
Vers
im
doppelten
Sinne
unseren
Fokus
auf
die
Gefangenen.
Sie
dürfen
nicht vergessen werden, wir sollen nicht wegschauen.
Warum
diese
starke
Betonung
der
Aufmerksamkeit?
Zum
einen,
weil
wir
dahin
tendieren
dem
Schweren
aus
dem
Weg
zu
gehen,
wie
Wasser
suchen
wir
uns
gerne
den
leichtesten
Weg.
Zum
anderen
war
es
zur
Zeit des Hebräerbriefes lebensnotwendig, dass an die Gefangenen gedacht wird.
Damals
gab
es
in
Gefängnissen
keine
(angemessene)
Verpflegung.
Alles
Essen
musste
von
Außen
kommen.
Woher
aber
kommt
dieser
Aufruf
zum
Denken
an
die
Gefangenen
und
das
Mitleiden
mit
dem
Misshandelten?
Es
ist
Ausdruck
der
imitatio
Christi
(Nachahmung
Christi).
Hebr
3f.
beschreibt
Jesus
Christus
als
Hohepriester,
dessen
besondere
Qualität
ist,
dass
er
den
Menschen
verstehen
und
mit
ihm
leiden kann.
Das
gibt
der
Inkarnation
einen
besonderen
Zug:
Gott
hat
als
er
das
Leid
gesehen
hat,
nicht
weggeschaut,
sondern
ist
in
diese
Welt
geboren,
um
Leben
und
Leiden
mit
den
Menschen
zu
teilen.
Der
große
Bogen,
den der Hebräerbrief hier geht, lässt sich mit dem Philipperhymnus zusammenfassen:
„Habt
diese
Gesinnung
in
euch,
die
auch
in
Christus
Jesus
war,
der
in
Gestalt
Gottes
war
und
es
nicht
für
einen
Raub
hielt,
Gott
gleich
zu
sein.
Aber
er
entäußerte
sich
und
nahm
Knechtsgestalt
an,
indem
er
den
Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden“. (Phil 2,5-7)
Das
fordert
mich
neu
heraus,
mein
Herz
nicht
zu
verschließen,
der
Realität
ins
Auge
zu
schauen
und
mich
auf
die
Suche
zu
machen,
wo
die
Liebe
Gottes
mich
hinführt,
indem
sie
mir
das
Herz
für
manche
Menschen
und Problemlagen öffnet und auch zur aktiven Tat ruft.
Autor: Carl Heng Thay Buschmann
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